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Trauernde Geschöpfe

Wenn es um Trauer geht, sind wir gar nicht so einzigartig

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Bo Hauer
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Es heißt, dass unser Verständnis und das Wissen um den Tod den Menschen von Tieren unterscheidet. Sicherlich unterscheidet uns unser Bewusstsein vom Tierreich, und doch wäre es sehr merkwürdig, dass wir das einzige Lebewesen sein sollen, das weiß, was das Leben letztlich für uns bereithält.

Die Erforschung der Trauer bei Tieren ist ein junges Gebiet, was vor allem daran liegt, dass Studien über tierische Verhaltensweisen, die man als “menschlich” bezeichnen könnte, während eines Großteils des zwanzigsten Jahrhunderts ignoriert wurden. Es wurde allgemein angenommen, dass Tiere nur reaktive Wesen seien, denen Gedanken und Gefühle fehlten und die nur auf Reize reagierten. Die Berichte von Forschern, die glaubten, tierische Emotionen zu erkennen – insbesondere solche, die wir als einzigartig menschlich ansehen, wie Liebe, Freude oder Trauer – wurden als sentimental und von Emotionen beeinflusst, anekdotisch abgetan. Vor gar nicht so langer Zeit warnten Experten sogar noch davor, andere Arten zu vermenschlichen und unsere eigene Natur auf sie zu projizieren.

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Berichte und Überlieferungen über Beobachtungen gab es also, aber es fehlten die Belege. Als dann zum ersten Mal ein Schimpanse dabei gefilmt wurde, wie er den Körper eines verstorbenen Gruppenmitglieds mit Werkzeugen reinigte, eröffneten sich den Wissenschaftlern wichtige neue Perspektiven für die Primatenforschung. Außerdem wären sogar eventuelle Hinweise, die Aufschlüsse über die evolutionären Ursprünge der menschlichen Bestattungspraktiken geben, möglich.

Das Schimpansenweibchen Noel vom Chimfunshi Wildlife Orphanage Trust in Sambia setzte sich neben den toten Körper ihres Adoptivsohns Thomas. Dann suchte sie sich einen festen Grashalm und begann, sorgfältig die Reste von seinen Zähnen zu entfernen. Das tat sie auch dann noch, als der Rest der Gruppe den Körper von Thomas bereits verlassen hatte.

Ein Team von Wissenschaftlern der Universität St. Andrews in Großbritannien, die das Verhalten beobachtet hatten, ist der Ansicht, dass dies bedeuten könnte, dass die lang anhaltenden sozialen Bindungen, die Schimpansen eingehen, ihr Verhalten auch nach dem Tod des Bindungspartners noch beeinflussen. “Der Bericht ist wichtig, weil er einmal mehr zeigt, dass die menschliche Spezies nicht die einzige ist, die zu Mitgefühl fähig ist”, sagt Edwin van Leeuwen, Hauptautor der Studie.

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Es zeigt, dass Schimpansen wie Menschen verstorbene Mitglieder ihrer eigenen Spezies mitfühlend behandeln, anstatt wie lange angenommen, nur wie leblose Objekte – vor allem, wenn es sich bei dem Verstorbenen um einen engen Gefährten handelt.

Trauer ist in der einen oder anderen Form auch bei vielen anderen Arten bekannt. Bei Delfinen wurde oft beobachtet, dass sie offensichtlich Mitgefühl für andere und sogar für Menschen zeigen. Neben den Delfinen bilden Elefanten eine bemerkenswerte Ausnahme. Sie sind bekannt dafür, sich sehr einfühlsam und fürsorglich um sterbende Artgenossen zu kümmern.

Natürlich sagen diese Situationen, so berührend sie auch sind, nichts darüber aus wie ein Tier die Entdeckung der sterblichen Überreste eines Artgenossen oder den Verlust eines Lebenspartners oder Junges mental verarbeitet. Diese Beobachtungen brauchen außerdem Belege und die hängen weitgehend vom Zufall ab – davon, dass jemand vor Ort ist, um das Ereignis für die Forschung aufzuzeichnen.

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Wie die kürzlich im The Royal Society erschienene Studie zeigt, konnten Forscher nun auf eine für sie noch neue Ressource zugreifen. Die Wissenschaftler werteten zufällig aufgezeichnete Videos von asiatischen Elefanten auf YouTube aus. Diese Aufzeichnungen zeigen, welche Ressource Open-Source-Videodaten auf digitalen Plattformen darstellen können, um aufschlussreiche Einblicke in selten beobachtete Verhaltensweisen asiatischer Elefanten zu gewinnen.

Es zeigte sich, dass asiatische Elefanten, wie ihre afrikanischen Vettern, um ihre toten Gefährten trauern. Auf den Aufnahmen war zu erkennen, dass der Tod eines Herdenmitglieds sie in große Unruhe versetzte. Sie wachten über ihre Gefährten, erkundeten oder untersuchten sie und zeigten beruhigungsähnliche Verhaltensweisen und Versuche, sterbende oder tote Mitglieder zu unterstützen. Dabei hoben und stupsten oder schüttelten sie die Körper, als ob sie versuchen wollten, ihre verlorenen Kameraden wiederzubeleben. Einige erwachsene Weibchen trugen sogar kilometerweit ihre toten Kälber.

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Ob Elefanten den Tod auf dieselbe Weise verstehen wie Menschen, ist nicht bekannt. Asiatische Elefanten (Elephas maximus) sind jedoch soziale Lebewesen, und diese Forschungsergebnisse belegen, dass sie emotional reagieren, wenn sie einen ihrer Artgenossen verlieren. Einige der YouTube-Videos liefern Indizien dafür, dass sie ein gewisses Todesbewusstsein haben.

Eine weitere kürzlich im Scientfic reports erschienene Studie italienischer Forschender, wird Hunde-Menschen, nicht überraschen. Die Umfrage unter Hundebesitzern in Italien ergab, dass 86 Prozent von ihnen signifikante Verhaltensveränderungen bei ihren Hunden nach dem Verlust des Artgenossen im eigenen Haushalt feststellten. Sie betrauerten regelrecht ihren Gefährten. So suchte der überlebende Hund in der Regel mehr Aufmerksamkeit, fraß weniger und spielte mehrere Monate nach dem Ereignis weniger.

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Um den Trauerprozess für ihre Hunde zu erleichtern, so Dr. Federica Pirrone, Veterinärphysiologin an der Universität Mailand und Hauptautorin der veröffentlichten Studie, können Besitzer die gewohnten Routinen beibehalten und einfach in der Nähe ihrer überlebenden Haustiere bleiben.

Das Hunde auch um ihre Menschen trauern spiegelt sich in den wahren Geschichten von Greatfriars Bobby – einem Skye-Terrier in Schottland im 19. Jahrhundert, der 14 Jahre lang das Grab seines Besitzers bewachte – und von Hachikō in Japan, einem Akita-Hund, der Anfang des 20. Jahrhunderts neun Jahre lang jeden Tag vor dem Bahnhof wartete, an dem sein verstorbener Besitzer regelmäßig von der Arbeit zurückkehrte. Beide Hunde sind heute berühmt und haben eigene Statuen, die ihnen zu Ehren errichtet wurden.

Die Liebe ist die Art von Emotion die notwendig ist, wenn Rationalität allein nicht ausreicht, um den Tag zu überstehen.

Bernd Heinrich, Biologe

Es gibt noch viele weitere Beobachtungen und Studien, die Ausdrücke der Trauer und Rituale im Tierreich dokumentieren. Es ist bekannt, dass Krähen und Füchse, Zweige und Blätter auf oder neben den Körper ihrer Artgenossen legen und Giraffen manchmal tagelang ihre toten Kälber nicht verlassen. Der Mensch ist somit keineswegs so einzigartig im Ausdruck seiner Trauer. Was bleibt, wenn alle Unterschiede benannt sind? Der britische Psychologe John Archer beschrieb es in seinem Buch The Nature of Grief so trefflich: „ Trauer tritt bei Tieren, wie auch beim Menschen auf, weil wir alle lieben. Die Liebe diese seltsame Kraft, die wir anderen Arten nur zögerlich zuschreiben. Und doch, die zwingendste Kraft, die uns und andere Lebewesen mit höchster Wahrscheinlichkeit dazu bringt, sich jenseits aller Vernunft um unsere Familien, geliebte Menschen und Kinder zu kümmern.

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