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Mutti geht ins Kloster

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Sonja Tschöpe

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Vor Kurzem erzählte mir Sonja, dass sie eine Auszeit plant und dafür an einem buddhistischen Wochenend-Retreat teilnimmt. Wer Sonja nicht kennt, sie ist Tierheilpraktikerin, Tiersterbebegleiterin, Autorin mehrerer Bücher, Dozentin für tierisch Tätige, bildet Tiersterbebegleiter aus, hat mit der Tiersprechstunde und Wispresso zwei wertvolle Podcasts, ist Kolumnistin beim viaMag und hat natürlich auch ein Privatleben mit ihrer Familie, zu der ihr Mann, ihre Tochter und ihr Hund, der Jungspund Pipo dazu gehört. Bei so vielen Aufgaben kann man den Wunsch nach einer Auszeit nachfühlen. Mittlerweile war sie im Tempel und das ein ganzes, langes und wie sie sagt, wertvolles Wochenende …

Sonja ‘was in the Temple’, wie kam es dazu?

‘Was in the Tempel’ kann man wirklich so sagen. Eigentlich stand das schon ganz lange auf meiner Bucket List. Schon in den 90er-Jahren habe ich viele Bücher zu Buddhismus und insbesondere Bücher von Thich Nhat Hanh* gelesen. Als ich dann hörte, dass er gestorben ist, war ich total geschockt, Thich Nhat Hanh hatte die Seiten gewechselt. Für mich war er noch gar nicht so alt, irgendwie total zeitlos, die ganze Zeit da gewesen und ich wollte doch immer zu ihm. Mit diesem Ereignis habe ich dann noch mal diesen Wunsch, in den Tempel zu gehen hochgeholt und begann danach im Internet zu recherchieren. Dabei fand ich heraus, dass ich gar nicht bis nach Plumvillage in Frankreich reisen muss, weil sich nur eineinhalb Fahrstunden mit dem Auto von mir in Waldbröl nahe Gummersbach, das Institut für Angewandten Buddhismus* in Deutschland befindet. Thich Nhat Hanh hat es selbst begründet und dort sogar ein Buch geschrieben. Ich sah mir einige Kurse auf ihrer Website an, denn ich wusste selbst nicht, wie das Alles abläuft, und fand dann einen Kurs, der mich so berührt hat, dass ich mir dachte, da muss ich hin. Witzigerweise war dieser Kurs noch kurz vor meinem Geburtstag und dann stand der Plan fest, Mutti geht ins Kloster. Als ich es meinem Mann erzählte, war erst richtig sprachlos, aber er unterstützte mich und hat das einfach mitgemacht.

Von Duc (pixiduc) from Paris, France. – Thich Nhat Hanh Marche meditative 06, CC BY-SA 2.0

Retreat heißt auf Deutsch Rückzug und wird in diesem Kontext als geplante und auch spirituelle Ruhepause oder Rückzug aus dem gewohnten Leben gewählt. Beschreib bitte, wie läuft so ein Wochenend-Retreat eigentlich ab?

Es ist ganz was anderes, als man wahrscheinlich vermutet. Du wirst von dieser Gemeinschaft der Buddhisten, von Mönchen und Nonnen, die dort in Waldbröl leben, empfangen. Nach meiner Ankunft begann alles mit einem gemeinsamen Abendessen. Allerdings nicht so, wie man es erwarten würde, denn es wird bei Mahlzeiten geschwiegen. Man erhält einen festen Platz und für das Essen nimmt man sich 30 Minuten Zeit. Die Mahlzeiten werden in Ruhe eingenommen und verwendet seine gesamte Aufmerksamkeit darauf. Das war für mich schon ungewohnt, da wir uns als Familie in dieser Zeit immer unterhalten. Es ist auch die einzige Zeit des Tages, in der wir zusammen sind. Während des gesamten Aufenthalts ertönte immer wieder ein Gong. Sobald der erklingt, hält man kurz inne, auch wenn man gerade isst, nimmt drei tiefe Atemzüge und kehrt so zu seiner Mitte zurück. Nach dem ersten Abendessen gab es dann eine kleine Einführung und den Vortrag ‘Taking care of my relations’ von Schwester Song Jim, der sehr spannend war. Am nächsten Morgen hieß es dann und das ist kein Witz, aufstehen um 5:30 Uhr, 6:00 Uhr Körperübungen, 7:00 Uhr Meditation und um 8:00 Uhr Frühstück. Ich dachte mir, wenn ich das jemandem erzähle, dass ich dafür Geld zahle, der denkt doch, dass ich nicht mehr alle habe, aber es hat alles gepasst. Ich merkte während dieses Wochenendes, wie mir der Blick aufs Handy völlig egal wurde und ich bin jemand, der wirklich viel das Handy in der Hand hat. Es war nur noch ein Mittel, um Kontakt mit meinem Mann und meiner Tochter zu halten. Durch diese Stille kehrst du zu dir und deinem Ursprung, zurück. Ich konnte abends problemlos einschlafen und begann wieder Kleinigkeiten zu bemerken und habe im Prinzip mehr bekommen, als ich eigentlich gebucht hatte. Dieses ‘Zusätzliche’, das war schon wirklich besonders.

Was war für dich das Spannendste oder Wertvollste an diesem Retreat?

Das Spannendste war die Erkenntnis, dass es in unserer Gesellschaft zu oft darum geht, zu reagieren, zu kommentieren, direkt zu agieren, aber weniger darum, wirklich richtig zuzuhören oder auch in sich reinzuhören. Man hat doch immer das Gefühl, dass man reagieren muss, anstatt es erst einmal einfach stehen zu lassen. Das war es, was ich für mich dort mitgenommen habe. Echtes Zuhören, wirklich jemandem Zeit schenken. Das ist, was in der heutigen Zeit wahnsinnig fehlt. Es gab zwischen den TeilnehmerInnen nicht viele Kontakte, aber ich hatte ein paar wirklich tolle Gespräche mit Frauen, die schon mehrfach dort waren. Eine dieser Frauen hatte erst kürzlich ihre Schwester verloren und erzählte, wie wichtig es für sie war, dorthin kommen zu können. Das Kloster ist für sie alle ein Ort, der ihnen Kraft gibt. Das hat mich wirklich tief beeindruckt, auch dass man aus einem bestimmten Grund hinfährt und mit ganz viel weiteren, wertvollen Ansätzen wieder zurückkommt, die man gleichzeitig komplett in sein ganzes Leben integrieren kann. Das war wirklich ein ganz wertvoller Samen für mich.

Welche Aspekte haben dich besonders angesprochen oder sind dir persönlich am wichtigsten?

Das Meditieren muss ich sagen. Ein wenig habe ich es mittlerweile etwas schleifen lassen. Wobei, nein, das stimmt nicht ganz. Unsere Spülmaschine ist vor Kurzem kaputt gegangen und man kann tatsächlich bei jeder Tätigkeit meditieren, eben auch beim Spülen von Geschirr. Wenn ich jetzt sage, ich muss spülen, ist das schon ein total negativer Satz. Wenn ich aber sage, ich mache mal kurz eine Arbeitsmeditation, dann klingt das schon anders. Und das mache ich hier tatsächlich, seitdem ich zurück bin. Außerdem läuft hier auch kein Radio und Fernseher mehr, ich habe seitdem Ruhe im Kopf. Davor waren irgendwie immer Gedanken da und ich hatte das Gefühl, ich kann den Ausschalt-Button überhaupt nicht finden. Das heißt, ich meditiere in der Form, dass ich eben achtsam bin bei dem, was ich tue. Das ist ein unheimlich großes Geschenk aus diesen fast vier Tagen, die ich da war. Außerdem durfte ich miterleben, wie zu der Zeit Teile der Asche von Thich Nhat Hanh in Waldbröl zurückgeführt und willkommen geheißen wurden. Da dachte ich für mich, guck an, jetzt hast du ihn doch noch getroffen – das passt, zu deiner Ansicht, auch zum Thema Sterben, Trauer und Weitergehen und das ist gerade so wichtig, dass ich genau diesen Impuls daraus ziehen sollte oder bekommen sollte.

Von mettabebe – Thich Nhat Hanh at festival in Da Nang, Vietnam CC BY-SA 2.0

Was bedeutet es für dich, Buddhismus im privaten und beruflichen Alltag zu leben?

Ich habe nun meinen eigenen Gong und versuche damit öfter Pausen zu machen. Dafür habe ich mir eine ganz einfache App installiert. Jede Dreiviertelstunde ertönt jetzt mein kleiner Gong und ich verharre dann für einen Moment, atme drei tiefe Atemzüge und bin dann wieder ganz bei mir. Das ist so eine Kleinigkeit, die einem so viel Energie schenkt. Abgesehen von der App, erinnert mich jetzt meine Tochter auch an das Atmen. Eine ganz spannende Änderung habe ich bei meinem Hund Pipo wahrgenommen. Als ich von dem Wochenend-Retreat zurückkehrte, kam er an, bremste auf einmal ab und war viel ruhiger. Er war happy, dass ich wieder da bin, aber sprang mich nicht wie erwartet an. Er spürte eine andere Stimmung bei mir. Seitdem ist es auch so, dass wir wirklich fast perfekte Leinenführigkeit gehen können, weil ich innerlich ruhiger bin. Im Beruflichen hat sich auch einiges für mich getan. Ich werte nicht mehr bei schriftlichen Anfragen und stelle fest, dass ich mich früher oft total vertan habe. Da ich jetzt viele Kunden durch meine Tier-Sprechstunde in den Videokonferenzen treffe, stelle ich fest, die Person kam in ihrer Email ganz falsch oder anders rüber. Ich versuche, offener zu sein, besser zuzuhören, anders zu antworten, ganz ohne den Stress, der vorher immer da war. Dabei konzentriere ich mich wirklich auf das, was ich gerade tue, und schenke der Person und dem Tier die volle Aufmerksamkeit, auch wenn in dem Moment noch eine E Mail reinkommt oder das Handy aufpoppt. Das ist in dem Moment erst mal egal, auch wenn das vielleicht ebenso wichtig ist, aber es ist für das Jetzt egal. Alles, was ich mache, hat jetzt meine volle Aufmerksamkeit, ob eine Email, ein Facebookkommentar oder was auch immer. Das ist etwas, was sich tatsächlich bei mir verändert hat.

Du gehst jetzt insgesamt achtsamer mit dir, der Zeit und allem anderen um. Vorhin hast du erwähnt, dass du besser geschlafen hast, wie hat sich der Retreat auf deine gesamte Verfassung ausgewirkt?

Ich bin insgesamt positiver geworden. Der Stress ist immer noch der gleiche, weil die Arbeit ja nicht weniger geworden ist, nur weil man mal ein Wochenende weg war. Seitdem habe ich es aber tatsächlich geschafft, anders und mit einer anderen Energie da ran zu gehen. Es hat sich auch mit meinem Schlaf viel geändert, aber ich glaube, dass da der größere Einfluss ist, dass ich nicht mehr fernsehe und kein Radio mehr höre. Ich informiere mich jetzt ein bis zweimal täglich und bringe mich auf den aktuellen Stand der Dinge. Ich verschließe nicht die Augen, sondern ich schütze wirklich mich und meine Gedanken vor diesem ständigen Gift. Auch Social Media nutze ich anders und stelle fest, jetzt kommen die richtigen Postings für mich, wo ich sage:“Oh, wie schön!“. Da hat sich ganz, ganz viel getan.

Die wichtigste Frage zum Schluss, wirst du es wiederholen? Sind weitere Auszeiten oder Retreats geplant?

Also definitiv. Ich habe da so viel für mich mitnehmen können und das für wirklich jede Lebenslage. Dann auch die Rückführung von Thich Nhat Hanhs Asche miterleben zu dürfen, wie achtsam Buddhisten trotz großer Bestürzung mit einem Verlust umgehen – es war so wertvoll.

Das Wichtige am Buddhismus ist, es ist keine Religion, die dir übergestülpt wird. Es wird nicht nach irgendwelchen Mitgliedern oder Anhängern gesucht. Sie sagen, der Buddhismus ist ein Geschenk und du kannst von diesem Geschenk mitnehmen, was du möchtest. Ich habe für mich festgestellt, dass ich mehr davon will. Eigentlich wollte ich gleich zu Ostern mit Emma zu einem Familien-Retreat, aber wenn es möglich ist, möchte ich im Herbst unbedingt noch mal hin, spätestens aber und dann in jedem Fall, werde ich mir nächstes Jahr diese Auszeit wieder gönnen.

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