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Jessica Josiger

Über das Sterben

Sterben ist groß. Sterben tut weh, sterben macht Angst und sterben ist noch immer ein gesellschaftliches Tabu. Etwas, worüber nicht gern gesprochen oder nur vor hinter gehaltener Hand gesprochen wird. Etwas, was wir gern verdrängen und beim Sterben ist es ein bisschen wie Weihnachten. Plötzlich ist es da und du weißt gar nicht so recht, wie es so schnell kommen konnte.

Doch was ist sterben eigentlich?

Die meisten Menschen assoziieren mit sterben das Offensichtlichste: Wenn ein Mensch verstirbt.

Laut Definition bezeichnet sterben, den Übergang eines Lebewesens vom Leben in den Tod.

Aus schamanischer Sicht bezeichnet sterben jedoch so viel mehr. Aus schamanischer Sicht bezeichnet sterben Übergänge und diese wiederum begegnen dir 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche immer und immer wieder:

Du atmest ein und atmest aus. Dazwischen ist eine kurze Pause, die so genannte Atemstille. Sie ist da, auch wenn du dir dessen nicht bewusst bist, weil atmen ein ganz automatischer Vorgang deines Körpers ist. In der Atemstille, dem Übergang vom ein- zum ausatmen, stirbt der eine Atemzug und ein neuer wird geboren.

Du wachst morgens auf, durchläufst deinen Tag und gehst abends irgendwann ins Bett und legst dich schlafen, um anschließend am nächsten morgen den gleichen Rhythmus zu vollziehen. Auch hier liegt das Sterben verborgen. Ein alter Tag stirbt, gekennzeichnet durch den Einbruch der Dunkelheit, wenn die Sonne am Horizont verschwindet, und am nächsten Morgen dann, wird ein neuer Tag geboren. Diesen wiederum erkennst du am Aufgehen der Sonne und dem Beginn der Helligkeit. Die Dämmerung, sowohl am Morgen als auch am Abend, ist der Übergang, das Sterben.

Oder die verschiedenen Altersstufen und Phasen deines Lebens. Auch diese sind immer mit Übergängen, also dem Sterben verbunden.

Vanessa Kenah – Pixabay

Krankheiten stellen ebenfalls einen Prozess des Sterbens dar und das völlig unabhängig davon, ob du anschließend verstirbst oder wieder völlig gesund wirst. Der Genesungsprozess selbst ist ebenfalls ein Sterben. Alte Zellen sterben und der Körper schafft dadurch Platz für Neues, was geboren werden will. Am besten kannst du das bei kleinen Kindern beobachten. Diese sind ja häufig krank, um ihr Immunsystem zu trainieren. Wenn sie dann mit Fieber so richtig darnieder liegen und anschließend wieder gesunden, wirst du feststellen, dass die Kleinen einen enormen Entwicklungsschub gleich mit vollzogen haben. Bei Jugendlichen und Erwachsenen wiederum ist es so, dass wenn das System sich (aus welchen Gründen auch immer) weigert, einen Übergang zu gehen, es zum Beispiel einen großen inneren Widerstand gibt von der Pubertät ins Erwachsen Sein hinüber zu gehen, der Körper erkrankt, mitunter schwer, um so den Übergang gewissermaßen zu erzwingen.

Ich erlebe immer wieder wie groß die Angst vorm Sterben ist. Sie ist teilweise so groß, dass sie ausgeblendet und weggeschoben wird. Und wenn es dann soweit ist, dass ein geliebter Mensch oder ein geliebtes Tier verstirbt, ist der Schock über einen so natürlichen Teil unseres Lebens so groß, das es das Trauern erschwert. Dabei schenkt uns das Leben in jedem einzelnen Augenblick immer wieder wundervolle Momente das Sterben zu üben. Dazu lade ich dich hiermit ein:

Übe das Sterben, in dem du atmest und die Atemstille zwischen deinen Atemzügen ganz bewusst wahrnimmst.

Übe das Sterben, in dem du den alten Tag verabschiedest und den Neuen begrüßt und dich nicht einfach nur aus Gewohnheit wie betäubt in dein Bett legst und morgen völlig ferngesteuert in den Tag startest. Mache dir bewusst, dass der gestrige Tag nie wieder kommen wird und dass du nicht mehr der selbe Mensch sein wirst wie gestern.

Übe das Sterben, in dem du das Neue einlädst und das Alte ziehen lässt. Übe dich im lieben lernen deines Widerstands und deiner Angst. Betrachte sie als Freunde, die dir lange gedient haben, die dir Schutz geboten haben, als du keinen anderen Schutz hattest, obwohl du diesen so dringend gebraucht hast. Sag ihnen danke und good bye und wann immer sie sich zeigen, frage dich:

Wer bin ich ohne meinen Widerstand?

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Entdeckungsfreude beim Üben des Sterbens.

Deine Jessica

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