Letzte Worte

Letzte Worte

Das erste Jahr von Sabrina Steiner

Was für ein letztes Wort – nach einem Jahr, in dem die Welt ziemlich kopfstand. Gleichzeitig war es auch das erste Jahr von viaanima. Ein unglaubliches Jahr mit vielen ersten Malen, neuen Begegnungen und spannenden Momenten.

Für mich als Trauernde fühlten sich viele der Erfahrungen der letzten 12 Monaten vielleicht etwas vertrauter an als für Menschen ohne direkten Kontakt mit dem Tod. Ich hatte bereits ungefragt die Erfahrung gemacht, dass schnell alles anders sein kann und Chancen für immer verpasst sind, wenn du sie ungenutzt gelassen hast. Kennst du diese Gefühle? Bei jedem persönlichen Verlust bricht deine Welt, so wie du sie zu kennen glaubtest, plötzlich auseinander. Von jetzt auf gleich solltest du dich und deinen Alltag neu erfinden. Doch das fühlt sich akut schlicht unmöglich an.

Wie man im Volksmund immer wieder hört, bergen Krisen auch Chancen. Ehrlich gesagt will das jedoch in akuten Situationen echt niemand hören. Vielleicht ist das Wissen tief in dir verborgen, doch jetzt sind erstmals andere Dinge wichtig. Wieder zu dir finden und inneren Frieden schaffen, aber auch bewusst echte Verbindungen leben. Und genau diese eine Chance ist es, welche mein Leben komplett veränderte und auch in der aktuellen Krise besondere Aufmerksamkeit erhielt. Denn echten menschlichen Kontakt zu fühlen und erleben ist tatsächlich auf mentaler Ebene möglich, egal wo du dich gerade befindest. Es erfordert Einsatz und Durchhaltevermögen, Liebe und Geduld, Zuhören und Verständnis, das Zulassen gegenteiliger Meinungen und vieles mehr.

Gemeinsam etwas auf die Beine stellen, sich kennenlernen, offen kommunizieren und vertrauen: All das ist beim Kennenlernen und in Beziehungen auf Distanz genauso essenziell, wie wenn du dich offline kennst und magst. Besonders heute im Zeitalter schier unendlicher Onlinelösungen. Nein, virtuelle Beziehungen sollen nie echte Begegnungen ersetzen. Werden sie auch nicht. Trotzdem ist aus der Ferne so viel mehr möglich, als du bis vor Kurzem vielleicht noch dachtest.

Doch wie passt das jetzt alles zu dieser Jubiläumsausgabe von viaanima?

Die Begegnung zwischen Bo und mir sowie unsere daraus folgende Zusammenarbeit bei viaanima entstand genauso. Durch viele neue erste Male, Vertrauen und mutigen Versuchen. Denn bis heute haben wir uns kein einziges Mal in echt gesehen. Doch wir sind dennoch in Kürze nah zusammengewachsen, lernen uns immer besser kennen und funktionieren in einer spannenden Dynamik gemeinsam im Team. Eines ist sicher: Wenn wir uns endlich real begegnen, wird das ein Fest. Wir malen uns schon in den schillerndsten Farben und Geschmäckern die Kuchen aus, welche unser Treffen begleiten werden.

Hier sehe ich auch die Chancen jeglicher Beziehungen auf Distanz. Für Dinge, die wir nicht in gemeinsamen Räumen erledigen müssen, können wir auf technische Möglichkeiten zurückgreifen. Alles andere, was realen Aufenthalt oder kulinarischen Genuss erfordert, ist dann jedoch frei von Verpflichtungen und To‐Do‐Listen. Einfach zum genießen und gemeinsam er‐leben.

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Mein erstes Vorwort