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Wenn (m)ein Kind stirbt

Sinnsuche Mal anders

Natalie Obendorfer

Mein kerngesundes Kind ist schwer krank geworden. Warum?

Mein schwerkrankes Kind ist nicht wieder gesund geworden. Warum? Mein kleines schwerkrankes Kind musste leiden. Warum?

Mein kleines leidendes Kind musste sterben. Warum?

Mein erstes, einziges, kleines, krankes sterbendes Kind musste leiden. Warum? Warum nicht eines der Eigenschaftswörter weniger?

Wäre es leichter, wenn wenigstens eines weg fiele?

Nein, es wäre nicht leichter. Es wäre immer noch mein Kind tot.

Ja, es wäre leichter. Meine Fragen wären weniger. Meine Fragen wären einfacher.

Zwei Monate später. Zwei Dutzend Bücher aus der Trauerliteratur ausgelesen: ich finde viele meiner Fragen wieder, aber selten die Summe. Viele der gelesenen Sätze lassen in mir noch mehr Fragen zurück. Viele mögliche Antworten verstricken sich in Widersprüche. Alles Gesagte ist zu eng, zu kurz, zu wenig… zu wenig ist mir auch die ständig wiederkehrende Floskel “auf solche Fragen, gibt es in diesem Leben keine Antwort”.

Meine WARUMS haben sich nach zwei Monaten zu einem OB des Überlebens summiert,

während alles, was ich lese, der Bekümmertheit nach dem WIE des Überlebens einer solchen Katastrophe gilt.

Darin liegt ein großer Unterschied. Mir scheint, dass die meisten Menschen nach solch einem Schicksalsschlag, einen Weg des Überlebens suchen und auch finden und dadurch allein dem Leid einen Sinn geben. Ich aber suche nach dem Sinn des Leidens, des Sterbens, sonst hätte es überhaupt keinen Sinn, es zu überleben. Und erst Recht keinen Grund, es überleben zu WOLLEN.

Verstehst du den Unterschied? Verstehst du meine Frage?

Ich blieb mit ihr alleine. Ich hörte auf, nach etwas oder jemandem zu suchen für meine Frage, für eine Antwort. Ich blieb alleine.

Und doch nicht, denn ich war mit mir und mit meinem toten Kind.

Zwei Monate später. Im Alleinsein: Dutzende Stunden der Suche in mir. Mit mir. Mit meinem toten Kind. Was ich finde, sind keine Antworten auf meine anfänglichen WARUMS. Was ich finde, ist eine andere Fragestellung. Ich begreife mein OB endlich – Es ist keine Summe aus WARUMS. Das OB sind WOZUS.

Ich erlebe mich nicht mehr als Fragende, als nur Suchende und Irrende, sondern auch als Befragte. Wozu? Wozu geschah es um uns? Wozu geschieht es um mich? Was will das Leben, das Schicksal mich fragen? Nicht umgekehrt.

Das WOZU ist anders. Ist eine Frage, die sich leben lässt. Eine Frage, in deren Antwort man hineinleben kann. Dadurch wird sie selbst zum Sinn.

Um die Fragen zu stellen. Um die Frage zu leben. Um mich als Befragte zu erleben, musste ich eben leben, ÜBERleben. Mein OB war beantwortet.

Zwei weitere Monate später. Zwei Jahre später. Zwei weitere Jahre später: Dutzende weitere Bücher gelesen, jedoch nur solche, die mich gefunden haben. Ich suche nicht mehr, ich finde – Dutzende Antworten, Dutzende neue Fragen. In mir. Mit mir. Mit meinem toten Kind – in mir.

Verstehst du den Unterschied? Verstehst du WOZU?

„Gefällt mir“ – und dir?

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