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Die Funktion des Todes

Dharman Unsplash
Jessica Josiger
Jessica Josiger ↻ Kolumne 'DIE SPIRITUELLE NOMADIN SPRICHT'

Der Tod eines Familienmitglieds verändert das komplette Familiengefüge. Wie ein Mobile, an dem an einem Punkt gezogen wird und alles andere in Bewegung gerät oder wie beim Domino, bei dem ein Stein bewegt wird und alles andere umfällt. Oder wie ein Puzzle, das plötzlich kaputt geht und neu zusammengesetzt werden muss und du am Ende dabei feststellst, dass das neu zusammen gesetzte Puzzle ganz anders aussieht als vorher. Da vorher viele Puzzleteile falsch gesetzt waren, dir das aber nicht aufgefallen ist, weil sie von der Form her so ähnlich waren wie die Richtigen. Die du jedoch so nicht erkannt hast.

Das Faszinierende und Spannende in Familiendynamiken ist, dass wenn ein wesentlicher Part stirbt, ist, fällt deren Funktion und deren Aufgabe innerhalb der Familie weg. Damit verbunden wird auch all das sichtbar, was im Verborgenen lag. Und so kann es sein, dass du dann am Ende feststellst, dass die vermeintlichen Täter, von denen die gesamte Familie glaubt, sie waren Täter, gar nicht die Täter waren, sondern die eigentlichen Haupttäter noch leben. Zumindest ein Part, also eine Generation von ihr. Und so kann es sein, dass das ganze Ding mit der Täterschaft verdreht und verworren war. So geschickt manipuliert, dass es gar nicht auffiel.

Wenn du meine Beiträge schon eine Weile liest, kennst du meine Geschichte. Zumindest jene Auszüge, die ich mit dir teile. In meiner früheren Kolumne „Wenn ein Täter stirbt“, habe ich dir vom Tod meines Stiefopas erzählt, vor allem jedoch von meiner Wahrnehmung und wie ich das damals als 16-Jährige erlebt und empfunden habe. Mein Erleben und das Empfinden ist heute noch das Gleiche. Nur ein wesentlicher Teil stimmt nicht. Mein Stiefopa war nicht der Täter. Nie. Er hatte lediglich das Pech (oder das Glück, wird es aus der obersten Metaebene betrachtet), sich für Verdrehungen der übelsten Art zur Verfügung zu stellen und so wurden Taten, die wirklich stattgefunden haben, nur eben nicht von ihm, sondern von Frauen, ihm in die Schuhe geschoben. Das meinte ich mit dem eingangs erwähnten, falsch zusammen gesetzten, Puzzle. So wirklich bewusst ist es mir jedoch erst seit wenigen Tagen. Eine Kette vieler Ereignisse führte dazu, dass es so kam.

Aus diesem Grund widme ich diese Kolumne all jenen Männern, die zu Unrecht beschuldigt wurden Mädchen und Frauen sexuelle Gewalt angetan zu haben.

Ich widme sie meinem Vater, dessen, von außen betrachtet plötzlicher Tod, das gesamte Mobile meiner Herkunftsfamilie in Bewegung, ja sogar Aufruhr, gebracht hat, so dass sich nun mit ein wenig detektivischem Gespür, einer Prise Logik und einer ordentlichen Portion Liebe, alles ordnet. Und zwar so wie es sich gehört.

Ganz besonders widme ich diese Kolumne jedoch meinem Stiefopa, der mir als Kind immer ein liebender und spaßiger Opa gewesen ist. Zugegeben, er war auch mal streng, aber ich habe so viel von ihm gelernt über die Natur, die Pflanzen und Tiere, die in ihr leben, aus dem ich heute noch Wissen beziehe. Sowohl in meiner eigenen Familie als auch in meiner Funktion als Schamanin. Ich sage nicht, dass er kein Täter war. Wir alle steckten irgendwann einmal in den Rollen von Täter, Opfer und Retter fest. Das ist die Kerndynamik der letzten bummelig 2000 Jahre gewesen. Jedoch war er im Punkt der sexuellen und rituellen Gewalt kein Täter, sondern ein Opfer. Das ist mir nun klar und Klarheit hat die Gabe Frieden zu schenken. Sie hilft beim Loslassen und in diesem Fall rehabilitiert sie all jene Männer, die Schuld auf sich genommen haben, um andere zu schützen und weil sie tief in sich glaubten, dass ihnen keiner glaubt.

So viele Täter in diesem Feld waren und sind Frauen, die ihre kranken Neigungen und unterdrückten Fantasien versteckt und auf perfide Art und Weise ausleben, weil das der für sie leichtere Weg ist, mit ihren eigenen Traumata umzugehen. Weil sie sich nur auf diese Art spüren können, weil der Rest bereits in ihnen gestorben ist. Es ist der Preis, den es kostet, wenn die Identifikation mit der Dunkelheit nicht aufgehoben wird. Dann verlieren wir uns in ihr und manche werden dann zur Dunkelheit selbst und damit zu ihrem Diener statt zu einem Wandelnden in all den Welten.

Wir alle sind Wandelnde in den verschiedenen Welten. Da gibt es das, was du als Leben bezeichnest. Die Realität und den Traum. Dann gibt es das Licht, die Dunkelheit und eben auch den Tod. Aus schamanischer Perspektive ist mit dem Tod alles vollendet. Es gibt keine Versprechen, Gelübde, Schwüre oder Eide. Keine Dinge, die noch getan werden müssen. Es ist aus und vorbei, eben vollendet. Dem Tod ist die Zahl 13 zuzuordnen, die Vollendung. Die 13 verkörpert wiederum auch das Urweibliche. An dieser Stelle schließt sich der Kreis, denn der Tod hat die Funktion des Sichtbarmachens. Die Sichtbarmachung des Urweiblichen. Er bringt überall da Bewegung hinein, wo zuvor Stillstand geherrscht hat. Bewegung wiederum ist Leben. Der Tod gebiert Leben und das Leben stirbt in den Tod hinein. Was sich hier an dieser Stelle, als philosophische und metaphorische Spielereien liest, ist am Ende eine tiefe Wahrheit über die Dynamiken unseres Seins.

Schon oft habe ich darüber geschrieben, wie lange es dauert, bis sich generationsübergreifende Gewaltstrukturen aus den Familiensystemen verabschieden. Nach wie vor weiß ich nicht, ob es stimmt, was die Schamanen erzählen. Nämlich, dass es sieben Generationen dafür braucht. Ich weiß es nicht. Das Familiengenogramm, das ich einst erstellt habe, reicht drei Generationen vor mir zurück. Ich bin die vierte, meine Kinder die fünfte. Aus meiner Erfahrung heraus macht die Zahl fünf in diesem Fall mehr Sinn, als die Zahl sieben. Die Zahl sieben ist eine Zahl, die sich innerhalb der Entwicklung des Christentums als DIE eine Masterschlüsselzahl für vieles etabliert hat. Schaue ich jedoch auf den Ursprung zurück, so war es die Zahl fünf. Mein schamanischer Lehrer, Carlo Zumstein, hat es als das Ur-Pentagramm der Kraft bezeichnet. Was ein Pentagramm ist, das weißt du und dass es im Laufe der Geschichte im Namen des Teufels verdreht und damit dessen Kraft umgekehrt und beschmutzt wurde, ebenfalls. Im Ursprung jedoch, da ist diese Kraft rein. Das Ur-Pentagramm der Kraft, welches sich ausdrückt in Mutter-Kind-Jäger-Schamane-Tier ist die Grundlage des Bewusstseins. Ich mache an dieser Stelle etwas, das ich nur selten tue. Ich zitiere. In diesem Fall Carlo, einfach weil er es so gut beschreibt:

In der Mutter entsteht das neue Leben, in ihr entwickelt sich das Kind, sie bringt es in die Welt, sie garantiert den Fortbestand des Lebens. Das Kind trägt das Leben und die Errungenschaften seiner Eltern weiter, es ermöglicht Entwicklung, Evolution. Der Jäger sorgt fürs Überleben. In existentieller Verbundenheit mit beiden ist der Schamane – als Mittler zwischen der Natur und dem Übernatürlichen – vertreten durch das Tier, dem nächsten Nachbarn des Menschen.


Zumstein, Carlo (2001): Schamanismus. Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München. S.6

Die Formen des Pentagramms finden sich auch im menschlichen Körper wieder. Kennst du die Darstellung des Menschen von Leonardo da Vinci? Da kannst du es sehen. Über die Grenzen des menschlichen Körpers hinaus, in er feinstofflichen Ebene, sind wir eingebettet in einem Hexagramm. Das Hexagramm ist in der Welt bekannt als der Davidstern. Doch auch hier ist der Ursprung ein wenig ein anderer. Es ist das Symbol Maria Magdalenas und mit seinen beiden Dreiecken die Vereinigung männlicher und weiblicher Urkraft, in dessen Zentrum der Mensch in der Verkörperung des Ur-Pentagramms der Kraft steht.

Die Verkörperung der Zahl fünf ist jene Kraft, die es aus meiner Erfahrung heraus braucht, dass sich die generationsübergreifenden Traumaketten lösen. Dabei braucht es verschiedene Komponenten:

  • Es braucht innerhalb der Ahnenlinie vier Personen und ein Tier, die jeweils für einen Aspekt der Ur-Pentagramms der Kraft stehen und ihn vertreten. Sie sind in gewisser Weise die Raumhüter für den nächsten Aspekt. Sie bereiten die Grundlage dafür, dass die Traumakette endgültig beendet werden kann.
  • Es braucht einen Systembrecher.

Jene Seele, die seit Anbeginn der Zeit in den verschiedenen Welten wandelt, entsprechend bereits durch sämtliche Erfahrungen menschlichen Daseins gegangen ist und die dadurch die nötige seelische Kraft besitzt, sich in die Dunkelheit hinunterzubegeben OHNE sich mit ihr zu identifizieren. Diese gebiert sich in eine Familie mit tiefsitzenden Traumastrukturen der Gewalt, mit dem Ziel einen neuen Stamm zu gründen. Dieses Ziel bedeutet auch, dass es mit ihr endet und sie somit alle fünf Naturen des Ur-Pentagramms der Kraft in sich aktiviert und schließlich integriert.

  • Und es braucht den Tod, verkörpert durch den Tod des Königs.

Des Familienoberhauptes, der zu Lebzeiten diese Position nie leben konnte, weil er seinen Job als Bewahrer und Beschützer des Weiblichen aus menschlicher Perspektive falsch verstanden und aus übergeordneter Perspektive ihn genau richtig ausgeführt hat. Anders ging es nicht, denn innerhalb der Familiendynamik ist alles, zum Teil mehrfach, in sich verdreht gewesen und im Sinne des Ausgleichs, der immer und überall gegeben ist, war es eben genau so, wie es war.

Kein anderer vermag es besser zu demaskieren als der Tod selbst. Er bringt jeden an seine eigenen gesteckten Grenzen und zeigt jenen, die erkannt haben, dass sie grenzenlos sind, was alles vollendet ist. Der Tod zeigt dir die Größe und Weite deines eigenen Kanals. Viel zu lange hängen wir an der Frage fest, was wir noch alles tun können, um uns besser abzugrenzen. Doch das ist Bullshit. Willst du dich abgrenzen, grenzt du dich vor allem von dir selbst ab und hältst somit die Spaltung und Trauma aufrecht. Du jedoch bist grenzenlos. Du darfst Wege finden, wie du noch durchlässiger wirst, du noch mehr fühlst als je zuvor, vor allem jedoch dich selbst. Der Tod lehrt dich genau das. Er ist der Meister des Fühlens, und zwar von Allem. Vor allem von dem, was du über Jahre und Jahrzehnte gedeckelt hast. Da sind die Wut, der Neid, die Eifersucht, die Sehnsucht, die Trauer und ihre kleine Schwester, die Traurigkeit und die Einsamkeit. Doch hinter all dem liegt einzig und allein die Liebe, zu die der Tod dich führt.

Ich für meinen Teil liebe den Tod. Schon oft habe ich ihn von Angesicht zu Angesicht gesehen, habe im Fieberdelirium mit ihm verhandelt und ewig lange Gespräche geführt. Ich liebe ihn, weil er immer an meiner Seite war und ich nur durch ihn gelernt habe, zu leben und anzukommen.

Wie ist deine Beziehung zum Tod? Welche Funktion übernimmt er für dich in deinem Leben, in deiner Ahnenlinie und deiner Familiendynamik?

Teile deine Gedanken und Empfindungen gerne mit uns im Kommentar oder lasse die Fragen einfach durch dein System laufen und beobachte dich währenddessen dabei und schau, was es mit dir macht, wenn du dem Tod seinen Platz an deiner Seite einräumst.

In Liebe

Deine Jessica

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