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Wenn heute mein letzter Tag wäre,…

anh tuan to unsplash

Viele Menschen auf dieser Welt haben wahrscheinlich Angst vor der Vergänglichkeit. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass das Nicht-Wissen von dem, was irgendwann auf mich zu kommt mir kein Unbehagen bereiten würde. Ich habe Angst und glaube, noch sehr viel mehr Zeit zu brauchen, um all die Dinge zu tun, die ich bisher nicht getan habe. Ich glaube mehr Zeit zu brauchen, um all die Dinge zu sagen, die ich noch nicht gesagt habe und bei denen ich mich bisher nicht getraut habe, sie zu sagen. Obwohl ich weiß, dass es noch soviel zu tun oder zu sagen gäbe, wache ich jeden Morgen -wie selbstverständlich- mit dem Gedanken auf, dass ich noch alle Zeit der Welt hätte. Genau das veranlasst mich jeden Tag aufs Neue, die wichtigen Dinge des Lebens aufzuschieben. Und genau damit verschwende ich jeden Tag aufs neue auch das Kostbarste, was wir Menschen haben. Ich verschenke das, was sich die meisten Menschen am Ende ihres Lebens wünschen -Zeit. Doch was bleibt, wenn wir plötzlich keine Zeit mehr haben?

»Wenn heute mein letzter Tag wäre, dann würde ich…«

Ich habe diesen Satz schon oft gesagt -mal bei einem Bier in guter Runde mit Freunden, mal zu meiner Partnerin -festhängend bei Netflix- auf dem Sofa, mal beim Besuch meiner Eltern in der Heimat oder mal ganz für mich alleine, wenn ich darüber nachdachte, was ich Sinnvolles mit meinem Leben anfangen könnte. Mindestens genau so oft, habe ich diesen Satz aus dem Mund anderer gehört. Wahrscheinlich hat jeder schon einmal, dieses eher unschöne Szenario durchgespielt und oft scheint es so, als würden dann alle Ideen vom Leben nur so aus uns heraussprudeln. Es scheint, als wären die schlimmsten Szenarien erst die, die uns darüber nachdenken lassen, was für uns im Leben wichtig scheint, was wir alles noch tun oder sagen würden oder wo unsere tiefsten Bedürfnisse liegen. Ein wenig ist es wie mit einer Krankheit, die viele Menschen erst dazu veranlasst, das schönste und bestmögliche aus ihrem Leben herauszuholen. Es scheint, als wäre es erst in der Ausnahmesituation, wenn es um Leben und Tod geht, erlaubt, das Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten und erst dann, wäre alles erlaubt und die Menschen um uns herum, würden uns erst dann zugestehen, was wir schon lange gerne tun würden. Wir müssten uns keine Gedanken mehr darum machen, was andere von unseren Entscheidungen hielten. Plötzlich würde sich die Welt -ein letztes Mal- nur um uns drehen. Wie oft liest man in der Zeitung oder sieht im Fernseher auf was für Ideen die Menschen erstmal kommen, wenn sie wissen, dass ihre Zeit abläuft. So wie ich, keinem Menschen einen letzten Wunsch ausschlagen würde, würden dies andere wahrscheinlich ebenfalls nicht tun. Eine Spontanreise oder das Anschaffen von vielleicht völlig unwichtigen Dingen? Kein Problem.

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»Den Kopf voller Ideen«

Ich habe viele dieser Filme gesehen. Filme, in denen Menschen eine tödliche Diagnose bekommen und plötzlich mit ihrer eigenen Endlichkeit konfrontiert werden. Alle diese Menschen tun die verrücktesten Dinge und beginnen sich all ihre Wünsche zu erfüllen. Jetzt, wo ihnen keine Zeit mehr bleibt, wollen sie nochmal alles in Bewegung setzen, um das Größtmögliche herauszuholen, obwohl sie soviel Zeit hatten. Sie verlassen ihre Lieben, reisen in ferne Länder, springen aus Flugzeugen, lernen Surfen und treffen Menschen wieder, die sie Jahrzehnte nicht gesehen haben. Es fehlt ihnen nicht an Ideen -ihr Kopf ist voller verrückter Einfälle. Jeder kennt die Gespräche mit den Großeltern oder Menschen, die kurz vor dem Ende ihres Lebens stehen. Es scheint kaum jemanden zu geben, der sagt, er hätte nicht irgendwas gerne noch einmal gemacht oder verpasst. Viele Menschen bereuen am Ende des Lebens die gleichen Dinge. Viele bereuen, dass sie beispielweise zu viel gearbeitet haben und zu wenig Zeit mit ihren Liebsten verbracht haben. Andere bereuen, dass sie Kontakt zu bestimmten Freunden nicht gehalten haben. Doch die meisten bereuen, dass sie sich nicht eingestanden haben glücklich sein zu dürfen und sich ihrer selbst nicht treu geblieben zu sein. Zusammenfassend sind es all die Dinge, die wir nicht getan haben, die wir irgendwann bereuen könnten. Obwohl ich im besten Fall nicht mal bei der Hälfte meines Lebens angekommen bin, sind es diese Dinge, die mich beunruhigen und genauso geht es vielen anderen auch. Wir tun Dinge oder unterlassen sie, obwohl wir wissen, dass wir vielleicht irgendwann »romantisch« in einem Schaukelstuhl sitzen werden und darüber sprechen, dass wir es eigentlich gewusst haben und trotzdem nichts getan haben. Wir hatten ein Leben lang Zeit, uns Gedanken darüber zu machen und für uns einzustehen. Wir haben ein ganzes Leben lang Zeit und tun die Dinge oftmals trotzdem nicht. Doch was wäre, wenn wir keine Wochen mehr hätten? Was wäre, wenn wir nur einen Tag hätten und dieser Punkt 0:00 Uhr enden würde? Was wäre, wenn wir morgens aufstünden, und feststellten, es wäre der letzte Tag für uns auf dieser Erde?

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»Traum vs. Realität«

Immer wenn ich mir diese Frage gestellt hatte, kam ich auf die verrücktesten Ideen. Ich würde all die Dinge tun, die ich nicht getan hätte. Ich würde mich von alle den Ketten befreien, die mich über Jahre gefangen hielten. Ich würde sie losreißen und laufen. Ich würde ohne Ziel drauf losrennen und irgendwo an einem völlig mir fremden Ort ankommen. Ich würde tief einatmen, das Leben spüren und mich freu fühlen. Es ist paradox: »Weil mich das Wissen um den Tod oder der Tod selbst erst zum Leben zwingt, zwinge ich mich aus dem Zwang des Lebens.« Doch würde ich wirklich diese ganzen Dinge tun? Würde ich aufgrund des Wissens um mein Lebensende plötzlich einem Aktionismus verfallen können? Wären diese Dinge die, welche es noch zu erledigen gäbe.

Umso länger ich mir diese Frage stelle -und das ist schon wirklich sehr lange- umso eher komme ich zu dem Schluss, dass ich wahrscheinlich nichts von alle dem tun würde. Ich würde keinem dieser »Träume« nachgehen, um meinem Leben ein filmreiches Ende zu bescheren. Wenn das Leben dir so viele Möglichkeiten geboten hat, gibt es nichts mehr aufzuholen. Ich habe jede Chance meines Lebens gehabt und kann mir nur dessen bewusst werden, um zu erkennen, was am Ende noch wichtig zu sein scheint. Könnte ich beruhigt in einem Flugzeug oder einer Achterbahn sitzen, wenn ich wüsste, es wären meine letzten Stunden? Könnte sich das Adrenalin ausbreiten, wenn mein Kopf an all den Dingen hängt, die wirklich noch offen sind? Was gäbe es wirklich noch zutun? Was sind die Dinge, die es wirklich noch zusagen gibt?

Ich würde wollen, dass alle Worte, alle Dinge, einen Platz finden. Ich würde wollen, dass ich alles noch einmal sagen kann, was ich nie gesagt habe oder immer wieder aufgeschoben habe. Ich würde dabei sein wollen, wie alle offenen Worte zu einer Reaktion führen. Ich würde dabei sein wollen, wie sich innere Knoten lösen und wie ich ein letztes Mal der sein kann, der ich immer sein wollte. Ich würde dabei sein wollen, wenn ich zu mir stehe. Ich würde dabei sein wollen, wenn ich mich Dinge traue, die ich mich nie getraut habe. Ich würde all die letzten Stunden mit Dingen füllen wollen, die alles von mir abverlangen -einmal noch alles geben. Ich würde nicht an einem Strand sitzend -mit einem Cocktail in der Hand- über das Leben philosophieren wollen. Warum Dingen nachrennen, die man sein ganzes Leben lang hätte tun können. Warum Dingen nachrennen, die man verpasst hat, weil man Angst hatte? Warum Dingen nachrennen, die am Ende des Lebens keine Bedeutung mehr haben? Wäre es nicht das größte Abenteuer am letzten Tag des Lebens, der Mensch zu sein, der man immer sein wollte? Wäre es nicht das größte Abenteuer alles nach außen zu kehren, was tief in einem liegt?

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»Ein paar letzte Worte«

Das Leben ist kein Film und so hat auch das Leben nicht immer ein Happy-End. Doch wir könnten versuchen, es selbst in die Hand zu nehmen. Wir könnten den Schluss unseres Drehbuches selbst schreiben, wenn wir noch einmal die Zeit dazu hätten. Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, würde ich mich nicht mehr mit Ärger, Frust oder Trauer belasten wollen -ich würde aber auch nichts wegschieben wollen. Ich möchte mir Fehler eingestehen, Menschen verzeihen, die mir wehgetan haben und mich für all das entschuldigen, was ich falsch gemacht habe. Ich glaube nicht an Gott -daher geht es nicht um Absolution. Ich würde einfach nicht wollen, dass es nach meinem Ableben anderen Menschen schlecht geht, weil ich mich oft wie ein Idiot benommen habe. Ich würde nichts auslassen wollen. Vielleicht würde ich ein letzten Brief schreiben oder besser noch bei den Menschen vor der Tür stehen, sollte die Zeit dafür reichen. Es wäre so einige Türen, die es noch zu besuchen gäbe wahrscheinlich. Vielleicht würde ich am Ende des Tages auch mit Freunden in meinem Garten sitzen, ein paar Flaschen Bier trinken, Zigaretten rauchen, schiefe Lieder am Lagerfeuer singen und dankbar für das sein, was ist. Ich würde die Dinge tun wollen, die ich immer getan habe, ohne großes Aufsehen. Vielleicht wäre immer ein Funken Hoffnung dabei, dass es irgendwann mal weitergeht -eine nächste Party. Ich würde versuchen meine Angst zu teilen und anderen die Chancen geben, sie mir nehmen zu lassen. Ich würde Danke sagen wollen und mich mit dieser Leichtigkeit des Gesagten und Getanen in die Nacht und vom Leben verabschieden. 

So sehr mir der Gedanke, um das Ende meines Lebens, auch Angst bereitet, umso mehr erkenne ich, dass es wichtigeres gibt, als das, was ich mittlerweile glaube zu brauchen: Ein letztes, liebes, verständnisvolles Wort, ein Danke, ein Schulterklopfen, ein blöden Witz unter Freunden oder etwas lange zurückgehaltenes Wort eines nahestehenden Menschen, ein letztes Bier unter Freunden und Familie, ein letzter Kuss eines liebenden Partners, ein letzter Blick in den Sternenhimmel und der Gedanke, dass es genauso ok ist.

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