Triggerwarnung

Triggerwarnung – CN (?)

Mir sind in den sozialen Medien diverse Triggerwarnungen sowie kontroverse Meinungen dazu begegnet. Ich habe dort bereits etwas dazu geschrieben und möchte dieses Thema auch hier nochmal aufgreifen. Weil es hier so viele vermeintliche Triggerthemen gibt…

Ein Trigger kann zum Beispiel ein Thema oder ein Bild, ein Geräusch oder ein Geruch – also ein Sinneseindruck – sein, der eine Erinnerung an eine, in der Vergangenheit gemachte, meist traumatische Erfahrung hervorruft. Die Reaktion darauf kann zum einen das Erleben von negativen Gefühlen sein. Es kann die getriggerte Person aber auch das Gefühlserleben zu der vergangenen Situation noch einmal mit solcher Intensität erleben lassen, als würde es gerade passieren. In der Psychologie nennt man das dann auch Flashback und es liegt möglicherweise eine Traumatisierung vor.

Ich persönlich tue mich schwer, damit eben diese Warnungen für meine Blogbeiträge oder Social Media Posts auszusprechen. Trigger sind etwas sehr Individuelles. Einige triggert das Thema „Stille Geburt“, wieder andere triggert die Freude über eine Schwangerschaft, weil sie noch immer auf eben diese hoffen und / oder warten. Oder weil sie ihr Kind nicht bei sich haben können.

Für einige Eltern bedeutet es die Welt, Bilder ihrer Kinder öffentlich zu posten, auch wenn diese zu früh oder tot geboren wurden. Warum auch nicht? Sie sind schließlich stolze Eltern, auch wenn ihr Kind nicht (mehr) lebt. Genau so stolz, wie bei der Geburt eines lebenden Kindes. Sie sind ja auch genauso voller Liebe für ihr Kind.

Die ganze Welt darf und SOLL genau das sehen. Ein für die Eltern perfektes Wesen hat ihr Leben verändert und sie zu Eltern gemacht.

Ein perfektes Wesen,

dass nicht bei Ihnen bleiben wird.

Ein perfektes Wesen, dass zumindest ein Teil des Außen irgendwann nicht mehr wahrnehmen wird. Die Eltern werden im Laufe ihres Lebens kaum weitere Erinnerungen schaffen können und oft wird ihnen die Elternschaft sogar aberkannt werden. Ein doppelter Schmerz. Ein doppelter Grund für diese Eltern, ihr Kind sichtbar zu machen.



Andere urteilen über dieses Handeln. Vielleicht sind sie selbst Eltern oder schwanger und bedenken nicht, dass die Bilder des Kugelbauches oder des rosigen lebendigen Babys ebenfalls triggern können.

So ist es grundsätzlich mit den Themen Sterben und Tod… Meiner Wahrnehmung nach umschiffen die meisten Menschen diese Themen noch immer lieber, als sich hineinzustürzen und wünschen sich daher eine Vorwarnung. Das hat die unterschiedlichsten Gründe und Geschichten und natürlich eine Daseinsberechtigung.

Ich kann und möchte diese Entscheidung und Vorauswahl bei meinen Beiträgen, Artikeln und Posts allerdings nicht treffen. Es ist nicht an mir, die Inhalte und Themen diesbezüglich zu filtern und Warnungen auszusprechen- bzw. zu schreiben. Ich kann nur darum bitten und darauf vertrauen, dass sich jeder selbst die Frage stellt, was heute okay ist, was JETZT gerade geht und was nicht, um sich gegebenenfalls zu schützen.

Es würde außerdem nicht zu meiner Haltung und meinem Herzensanliegen passen, irgendetwas zu beschönigen oder auszusparen. Denn ich MÖCHTE die Themen Sterben, Tod und Trauer ein großes Stück mehr in die Öffentlichkeit holen.

Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, Angst und Schrecken zu nehmen oder wenigstens zu minimieren.

Und das geht eben wirkungsvoll nur über zeigen, sprechen, schreiben. Eben darüber, es erfahrbar zu machen. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Aufklärung, Austausch und Diskussionen. Auch wenn das bedeutet, manchmal unbequem zu sein und anzuecken.

Ich bin so froh und dankbar dafür, dass diese Themen immer mehr Raum bekommen. Dass es Magazine wie dieses hier gibt. Dass durch die sozialen Medien ein Austausch untereinander und ein Aufklären stattfinden kann. Dass es Internetseiten gibt, die diese Themen beleuchten und Betroffene abholen und dass es immer mehr Formate im Fernsehen gibt, die sich diesen Themen zuwenden.

Ganz aktuell steht der zweite

Memento Tag am 8.8.2020

bevor. Eine wunderbare Initiative, bei der Menschen aus voller Überzeugung und Leidenschaft Sterben, Tod und Trauer für die Öffentlichkeit berührbar machen möchten. Das geschieht durch vielfältige Aktionen. So zum Beispiel durch Blogbeiträge, Podcasts, verschiedenste Veranstaltungen, Fotoaktionen und gemeinsame Projekte in den Sozialen Medien. Viel Herzblut, viel Liebe, viele verschiedene umgesetzte Ideen. Damit für jeden etwas dabei ist. Damit sich viele darauf einlassen können, einen Blick Richtung Lebensende zu wagen.

Außerdem gibt es seit Jahren viele Menschen und Vereine, die sich engagieren, um eine Veränderung herbeizuführen. All das passiert, Stück für Stück für Stück. Und dann braucht es im besten Fall irgendwann keine Triggerwarnungen mehr, weil es „normal“ ist, dass eben auch der Tod zum Leben gehört.

Bis dahin wünsche ich mir etwas mehr Verständnis für- und Rücksichtnahme aufeinander. Jeder von uns hat seine eigene Geschichte und seinen eigenen Rucksack zu tragen. Der eine ist vielleicht mehr gefüllt als der andere. In den seltensten Fällen kann man auf den ersten Blick den Inhalt des anderen erkennen. Daher wünsche ich mir einen sanften Umgang miteinander, eine neugierige und offene Haltung füreinander und wo es gebraucht wird, die Fähigkeit und den Mut, auf sich und seine Bedürfnisse zu achten.

Alles Liebe

Betty

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