Der Tag an dem ich starb

Meine Nahtoderfahrung - Fabrizio Donisi

Meine Nahtoderfahrung von Fabrizio Donisi
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Fabrizio war sieben Jahre alt, als er nach einem unglücklichen Badeunfall während des Familienurlaubs wiederbelebt werden musste. Was sich genau in dieser Zeit ereignete, was er erlebte und welche Folgen diese Erfahrung nach sich zog, schildert er in seiner eindrücklichen Geschichte.

Es ging mit meiner Familie nach Süditalien, ans Meer zum Baden. Ich freute mich auf fünf Wochen ohne Schule, was sich damals wie ein wahrer Segen für mich anfühlte, denn schon seit Wochen, konnte ich an nichts anderes mehr denken.

Der Tag, an dem ich starb

Es war ein wunderschöner und warmer Sommertag. Wir gingen zum Baden ans Meer, ohne zu ahnen, das sich für uns alle und ganz besonders für mich, einfach alles verändern würde – es sollte der Tag sein, an dem ich starb.

Wir Kinder spielten und plantschten im Wasser, während sich die Erwachsenen entspannt unterhielten. Es roch nach Wind, Salz, Sonnencreme und kein Wölkchen trübte den Himmel. Alles war, wie man es sich nur Wünsche konnte und wir genossen die gemeinsame Zeit.

Weil es so heiß war, ging ich ins Meer, um zu Baden. Kaum war ich einige Meter weit im Wasser, rutschte ich mit meinem rechten Fuß in ein Sandloch und blieb stecken. Es zog mich unter die Oberfläche und mein Kopf war komplett unter Wasser. So sehr ich es auch versuchte, ich hatte keine Möglichkeit, mich zu befreien. In Panik versuchte ich auf mich aufmerksam zu machen und versuchte trotz Wasser so laut, wie ich nur konnte zu schreien. Niemand bemerkte etwas. Mit jeder Bewegung wurde ich immer schwächer, bis sich in einem Moment meine Lungen mit Wasser füllten und mein Körper ganz plötzlich aufgab.

Ich fühlte, wie ich meinen Körper losließ und anfing, in die Höhe zu steigen. Ich sah mein Leben, wie in einem Rückblick vor meinem geistigen Auge ablaufen. Es ging sehr schnell – was hatte ich schon in der kurzen Zeit erlebt? Mein Abenteuer Leben endete jetzt, nachdem es erst begonnen hatte.

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Was ist passiert… Wo bin ich jetzt?

Was dann geschah, war ein Segen für mich. Es erschien ein helles, warmes Licht und ich fühlte mich sofort absolut geborgen. Mein Körper war federleicht und ich schwebte immer weiter in die Höhe. Ich spürte, während ich dem Licht immer näher kam, wie jemand meine Hand nahm. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wer oder was mich begleitete, aber ich war nicht allein und hatte gleichzeitig ein großes Gefühl von Vertrautheit und das auf mich geachtet wird.

Irgendwann erkannte ich meinen Großvater, obwohl ich ihn in diesem Leben nie kennenlernen durfte. Er war vor meiner Geburt gestorben. Seine Erscheinung war ganz und gar elegant. Gentlemanlike trug er einen weißen Anzug, hatte einen weißen Hut auf und einen Gehstock dabei. Mit ihm in diesem mit göttlicher Frequenz angefüllten Licht zu sein, erfüllte mich mit einer nie gekannten Freude und einem vollkommenen Frieden.

Und mit einem Mal und ganz plötzlich war das wärmende Licht nicht mehr da.

Ich erwachte wieder zum Leben

Ich erwachte in einem Krankenhaus. Zuerst konnte ich nur schwer verstehen, was mit mir los war. Komplett verwirrt versuchte ich alles zu begreifen. In meinem Kopf waren Sätze wie: „Was ist passiert?“, „Habe ich geschlafen?“, „Wenn ja, möchte ich gerne einfach weiter träumen.“

Nach einiger Zeit realisierte ich, das ich auf der Intensivstation bin und erfuhr, was passiert war. Mein Onkel hatte mich befreit und sofort mit meiner Wiederbelebung begonnen. Eine Information erschütterte mich besonders und übertraf alles, was mein Verstand fassen konnte – ich galt offiziell für sechs Minuten als Tod.

Ich erholte mich und konnte bereits nach einigen Tagen das Krankenhaus verlassen. Für mich begann ein neues Leben und ich sah die Welt anders.

Eine überwältigende Erfahrung

Ich wollte mich mitteilen und sprach intensiv mit meinem Vater über den Vorfall. Dabei wollte ich herausfinden, ob das alles nur eine Art ‘Kopf-Kino’ bei mir war und auch, ob mein Vater sich noch erinnern könnte, was für Kleidung mein Großvater trug, als er beigesetzt wurde. Er versicherte mir, dass er sich genau erinnern und es sogar im Detail wiedergeben könnte.

Ich erzählte meinen Vater, was ich erlebt, gesehen und gespürt hatte. Beschrieb ihm die Begegnung mit dem für mich bis dahin unbekannten Großvater und wie er mir mit seinem eleganten „Gentlemen“ – Gehstock erschienen war.

Der Schock saß bei meinem Vater infolgedessen, was er gehört hatte, so tief, dass er für kurze Zeit nicht mehr mit mir sprechen konnte. Die Angst war zu groß …

Viele Menschen in meinem Umfeld, die erfuhren, was mit mir geschehen war, hatten auch plötzlich Angst vor mir. Ich wurde nicht mehr in der Gesellschaft akzeptiert und viele meinten sogar, ich wäre der Teufel in Person. Das alles stand in einem so krassen Kontrast zu dem, was ich im Licht und mit meinem Großvater erfahren und gefühlt hatte, dass ich meine Erlebnisse für viele Jahre nicht mehr erzählte.

Im Rückblick kann ich sagen, dass das eine in jedem Sinn überwältigende Erfahrung für mich war und damit den Beginn einer neuen Ära meines Lebens markiert. Mein Lebensweg ist seitdem mit der Suche nach Wahrheit, Verständnis, der Verarbeitung dessen, was geschah und auch dem, was noch Zukunft geschehen wird, erfüllt.

„Gefällt mir“ – und dir?

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