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Dzmitry Tselabionak unsplash

Der Brief

Das erste Jahr einer Sternenmama

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1 min Lesezeit

Da lagen sie nun. Wunderschöne Trauerkarten. Weiss und Gold mit Schmetterlingen und deinem Namen in geschwungener Schrift. Mit wunderschönen Worten. Doch wem sollte ich sie schicken? Wo doch kaum einer wusste, dass ich schwanger gewesen war und erst Recht niemand, dass ich dich leider im fünften Schwangerschaftsmonat gehen lassen musste. Doch: Trauerkarten sind dazu da verschickt zu werden. Und ich wollte der ganzen Welt mitteilen, dass ich nun auch Mama bin. Von einem Sternenmädchen. Von dir. Von meiner Eleni. Also schrieb ich an meine sehr grosse Familie: Cousinen und Cousins, Tanten und Onkels, Grosstanten und Grossonkels. Das war im April, vier Monate nachdem du von uns gegangen warst. Und ein Auszug aus dem Brief, leicht verändert, ging so.

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Liebe Familie

Um das Andenken an unsere Tochter Eleni zu teilen und aufrechtzuerhalten, weil der Tod zum Leben gehört, weil Trost und Verständnis unheimlich guttun, weil «Fehl- und Stillgeburten» Tabuthemen sind, weil es wahrscheinlich viel mehr «Sternenmütter» gibt, als man weiss, weil es mittlerweile ein paar von euch über mich wissen und weil der errechnete Geburtstermin kurz bevorsteht, sende ich euch nun unsere Trauerkarte.

Für diejenigen, die es nicht wussten: Ja, ich war schwanger, ein kleines Wunder. Dann, kurz vor Weihnachten, ist unser Baby im fünften Monat verstorben.

Wir haben Eleni in meiner Heimatstadt als unser Kind gemeldet und im Sammelgrab für Sternenkinder auf dem örtlichen Zentralfriedhof begraben.

Nach einer anfänglichen Schockstarre, geht es mir mittlerweile besser, auch wenn der Verlust eines Kindes, und sei es noch so klein, das Schlimmste und omnipräsent ist. Daher tut jede Art von Anteilnahme gut. Worte, Gedichte, Bilder, auch persönliche Gespräche. Man darf einfach keine Angst vor Emotionen und Tränen haben, die immer mal wieder hochkommen.

Und, ja, ich freue mich über alle wunderbaren Kinder und Neugeborenen, die unsere Leben und unsere Familie(n) in den letzten Jahren, Monaten und Wochen bereichert haben und weiter bereichern werden!

Herzliche Grüsse

Beate

Traurig schön.

Die Anteilnahme, die vielen Rückmeldungen waren überwältigend. Traurig und schön zugleich. Tröstende Worte, Nachrichten und Briefe. Einer der berührendsten Momente, war der Brief einer meiner Kusinen. Mit viel Liebe und Mitgefühl fragte sie mich, ob ich nicht Patin – Gedel – von ihrer kürzlich geborenen Tochter Leni werden wolle. Eleni – Leni. Ein Wink des Schicksals? Fanden wir auch. Und nun bin ich nicht nur stolze Sternenmama, nein auch stolze Gedel.

Schreiben hilft. Reden auch.

Redet über eure Sternenkinder. Redet über die Menschen, die euch fehlen. Redet über eure Trauer. Dann lässt sich der Trauerweg – vielleicht – ein wenig leicht beschreiten.

Banner Gastautor

Vorstandsmitglied des Vereins Himmelskind Akuthilfe & Trauerbegleitung in der Schweiz, dazu hauptberuflich Kommunikation & PR im Hochschulumfeld

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