Momente der Begegnung – Verlust und Entdeckung

eine persönliche Erfahrung im Hospiz

Verlust und Entdeckung

Ganz bedrückt begrüßt sie mich: „Ich werde wohl doch nicht auf meinen eigenen Beinen hier wieder herauskommen. Die Schwäche nimmt zu, heute Morgen konnte ich mir noch nicht einmal alleine die Hose anziehen.“ Das alltäglich Selbstverständliche geht ihr Stück um Stück verloren. All die vielen Verluste machen sie traurig.

Wie damit umgehen? Es wegzureden, hieße, ihre existenzielle Erfahrung zu banalisieren und sie damit alleine zu lassen. Aber darin stecken bleiben, wäre auch nicht hilfreich. Wie finden wir das Gleichgewicht?

Irgendwann kommen wir zu Bildern des Verlustes, aber auch der Transformation: die fallenden Blätter des Baumes. Das spricht sie an als leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Mit Inbrunst beginnt sie nun zu erzählen: Vom Gold der Gärtnerin, dem Kompost. lhr Gesicht leuchtet. Sie schafft es zwar nicht mehr, ihren Garten zu pflegen, das schmerzt. Aber dennoch ist er lebendig in ihr.

Ganz dicht beieinander: Verlust und innerer Schatz. „Den kann mir keiner nehmen.“ Und sie freut sich: „Da haben wir am Ende doch den Faden zum Guten wiedergefunden.“

Kommunikation ohne Worte – KoW®

Sprachlosigkeit überwinden durch Körpersprache

Wenn ein Mensch aufgrund einer Erkrankung oder einer emotionalen Ausnahmesituation sprachlich nicht erreichbar ist, sind Worte nicht mehr der eigentliche Weg, um mit ihm in Kontakt zu treten. Auch der schwerkranke oder sterbende Mensch kann oder will oftmals nicht mehr viel sprechen. Dennoch kommuniziert er – ohne Worte.

Seit über 20 Jahren erlebe ich diese Situationen ganz praktisch in meiner Tätigkeit als Therapeutin im Hospiz. Wenn der Mensch nicht mehr sprechen kann, gerät er leicht in Isolation. Auch viele der Mitarbeiter, Angehörigen oder Ehrenamtlichen fühlen sich in solchen Momenten unsicher oder hilflos. Das hat mich dazu bewogen, aus der Praxis für die Praxis das Konzept Kommunikation ohne Worte – KoW® zu entwickeln. Denn empathische nonverbale Kommunikation ist mehr as eine Begabung: sie ist eine erlernbare Kompetenz.

Den körperlichen Ausdruck des kranken Menschen verstehen zu lernen, führt zu mehr Sicherheit. Die eigenen nonverbalen Möglichkeiten zu entdecken und diese gezielt anwenden zu können, erweitert den Handlungsspielraum. Dadurch kann eine Brücke zum Gegenüber gebaut werden, ein Raum des Miteinanders entsteht und auch schwierige Situationen können leichter bewältigt werden.

Die „Momente der Begegnung“ spiegeln wider, was dadurch zwischen Menschen möglich wird, selbst in den Grenzsituationen des Lebens.

„Gefällt mir“ – und dir?

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